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Das Forschungsinstitut ibi research der Universität Regensburg hat wissenschaftlich untersucht wie gut die Suchergebnisse von Google zu Finanzthemen sind.

Die Autoren haben dafür im Zeitraum zwischen März 2015 und Februar 2016 insgesamt 180 Millionen Suchanfragen auf Basis von 3.900 Schlüsselwörtern (Keywords) analysiert.

Die Forscher untersuchten Ratgeber-Seiten diverser Anbieter, wie z. B. Angebote von Behörden oder wissenschaftlichen Einrichtungen, Vergleichs- und Vermittlungsportale, Ratgeber-Portale, Online-Lexika usw.

Ergebnis der Studie

Bei 50 % der Internetseiten mangelt es an Objektivität und/oder Vollständigkeit – vielerorts wird man sogar gänzlich fehlinformiert!

Christiane Jonietz von ibi research dazu:

Zwei von fünf Seiten zeigen zwar gute bis sehr gute Ergebnisse in der Objektivität. Allerdings weist mehr als die Hälfte der Seiten zum Teil deutliche Optimierungspotenziale auf. Der Ratsuchende kann sich auf diesen Seiten nicht sicher sein, dass die gebotenen Inhalte ausreichend objektiv sind.

Studie kritisch betrachten

Wir sollten Studien und Testergebnisse kritisch betrachten.

In diesem Fall wurde die Studie von der DVAG (Deutsche Vermögensberatung) in Auftrag gegeben. Die DVAG hat ein Eigeninteresse. Sie vermittelt Versicherungsverträge über ihren Vertrieb.

Nichts desto trotz decken sich die Ergebnisse dieser Studie weitestgehend mit meinen Erfahrungen.

Jeder kann Artikel veröffentlichen

Das Internet hat den Vorteil, dass wir schnell an Informationen gelangen. Kurz ein zwei Stichworte eingeben und wir erhalten mehrere Ergebnisse.

Das Internet hat aber auch einen Nachteil: Jeder kann Artikel veröffentlichen …

Des Weiteren suggeriert das Internet, man könne komplexe Sachverhalte mit Symbolen wie Häckchen (angeblich „versichert”), Halbkreis oder vergleichbares Symbol (teilweise „versichert”) und roter Strich (nicht versichert) darstellen.

„Recherchierte” Informationen und „Vergleiche”

Interessenten bringen gelegentlich „recherchierte” Informationen oder „Vergleiche” zu meinen Beratungen mit. Das ist an sich gut und ich freue mich darüber, dass Kunden sich vorher informieren.

Die Idee ist gut und die Umsetzung? Nun ja, zunächst mal was geschieht in der Praxis …

Die mitgebrachten Informationen sind meistens unvollständig, passen nicht zum Bedarf oder sind sogar falsch. Letztens hatte ich einen Kunden dessen Informationen irrelevant waren, denn sie betrafen nicht seine Berufsgruppe. Er hatte sich ein Angebot aus dem Internet eingeholt, das mit seiner Situation nichts zu tun hatte.

Phänomen betrifft viele Branchen

Das ist kein Phänomen der Finanzbranche. Ich höre öfter Geschichten meiner Kunden, die ähnliche Erfahrungen in ihren Branchen erleben.

Eine Ärztin erzählte mir, Patienten würden zu ihr kommen und ihr sagen, dass sie diese oder jene Erkrankung hätten und jene Behandlung wünschen. Zu dem Zeitpunkt hatte die Kundin noch keine Anamnese durchgeführt!

Das klingt lustig und auf eine Art ist es aberwitzig, aber auf der anderen Seite ist es ernst. Denn diese Patienten glauben was sie lesen.

Wie kommt der Patient dazu zu wissen (zu glauben), dass er durch Lesen eines Artikels im Internet die Medizinwelt und Krankheitsbilder versteht? Ärzte studieren mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte bevor sie als Arzt praktizieren.

Wie kommt ein Mandant zu der Idee, er wisse wie das Recht funktioniert, nur weil er einen Onlinebeitrag gelesen hat?

Und wie kommt ein Interessent zu der Idee, er wisse wie Versicherungen funktionieren nur weil er einen Blogbeitrag im Internet gelesen oder sich durch einen „Vergleichsrechner” durchgeklickt hat?

Übrigens bezeichnet die Verbaucherzentrale den Begriff „Vergleichsrechner“ als irreführend. Die Verbraucherzentrale kam in ihrer „Studie zu Finanzvergleichsportalen: Unter falscher Flagge” zu dem Ergebnis, dass die Ergebnisse der Onlinerechner weder vollständig noch objektiv sind. Weitere Informationen zur Studie habe ich im Beitrag Vergleichs­rechner für Versicherungen und der Verbraucher­schutz zusammengefasst.

Auch meine Artikel sind betroffen

Ich veröffentliche ebenfalls Artikel zum Thema Versicherungen. Ich rate Dir auch meine Artikel nicht als vollständig zu betrachten.

Denn die Artikel sind ein Kompriss aus Inhalt und Sprache. Der Text soll für den Leser leicht verständlich sein und das bedeutet ich verzichte weitestgehend auf Fachbegriffe und Fachformulierungen. Des Weiteren ist es oft nicht möglich ein Thema vollständig in einem Blogbeitrag zu erläutern.

Fazit

Verstehe mich richtig: Es geht mir nicht darum das Internet schlecht zu reden. Es geht mir darum, dass man Suchmaschinen richtig einsetzt. Manchmal merkt man nicht, dass man in die Google-Falle tappt.

Mal angenommen ich würde zu Dir sagen, ich hätte einen Internetartikel über Deine Branche gelesen und wisse nun wie Dein Job funktioniert. Ich nehme mal an, Du würdest darüber schmunzeln. Wir wissen, dass das nicht sein kann. Selbstverständlich kann ich bei weitem nicht mit Deinem Wissen und Deinen Erfahrungen aus deiner Branche mithalten.

Google ist gut, um einen ersten Eindruck zu gewinnen und sich zu informieren. Es ermöglicht Dir Dich mit einer Materie Vertraut zu machen. Nicht mehr und nicht weniger.

Google ist weder Arzt, Rechtsanwalt, Steuerberater, Versicherungsmakler, Handwerker oder sonst ein Beruf. Es ist eine Suchmaschine, die Internetartikel und -seiten versucht zu finden. Internetartikel kann Jeder erstellen … sogar ohne Zulassung.